Über Depression diskutierten Dieter Bargel, Victor Staudt, Moderator Pfr. Klaus Künhaupt, Ingrid Behrendt-Fuchs (v.l.).

Um Depression, Beratung und Hilfen ging es auf einem open-air-Podium in der Innenstadt. Als Expertinn und Experten mit dabei: die Leiterin der Dortmunder Telefonseelsorge Ingrid Behrendt-Fuchs und Dieter Bargel von der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen.

Die Einführung in den sensiblen Themenbereich lieferte der niederländische Publizist und Autor Victor Staudt. Er las aus seinem Buch ‚Die Geschichte meines Selbstmords‘, in der er den eigenen Suizidversuch aufarbeitete, dessen Erleben und die Folgen beschrieb. Victor Staudt hatte sich vor 20 Jahren infolge einer nicht behandelten Depression vor einen Zug fallen lassen. Er überlebte, verlor aber beide Beine.

Eindrücklich und souverän, sogar humorvoll, berichtete Staudt über seinen Werdegang. Zehn Jahre habe er gebraucht, um vollends zu sich und seiner Geschichte zu stehen. Dann, so de Autor, habe er das Buch geschrieben, um betroffenen Menschen eine Gelegenheit zur Identifikation zu geben. Die fehle vielen von denen, die mit Depression und Ängsten zu kämpfen hätten. Das Gefühl, keinen Ansatzpunkt zum Leben mehr zu finden, führe dann oft in die Verzweiflung – und zum Suizid.

Dass viele Betroffene und auch deren Angehörige nicht wissen, wie sie mit Angst umgehen sollten, bestätigten auch Ingrid Behrendt-Fuchs und Dieter Bargel. Sie schilderten aus professioneller Helfersicht, mit welchen Anliegen Menschen zu ihnen kommen. Oft, so Berater Bargel, stehe die Frage im Raum: „Ist mein Problem überhaupt groß genug, um Hilfe in Anspruch zu nehmen?“

Aber, so Telefonseelsorgerin Behrendt-Fuchs, „es gibt kein Ranking der Sorgen“. Jede und jeder werde in der telefonischen, der Chat- oder der persönlichen Beratung mit dem, was ihn oder sie bedrückt, ernst genommen. Auf keinen Fall, so Victor Staudt, dürfe die Reaktion von Angehörigen oder Bekannten sein: „Ist doch nicht so schlimm“, „stell dich nicht so an“ oder „wird schon wieder.“ Solche Reaktionen, so bestätigten auch Behrendt-Fuchs und Bargel, verdeutliche lediglich das weit verbreitete Unverständnis für psychische Erkrankungen in der Gesellschaft.

Wenn spezielle Hilfen erforderlich seien, kann in der Beratung stets ein entsprechendes Angebot vermittelt werden. In Deutschland gibt es beispielsweise zahlreiche Selbsthilfegruppen für Menschen mit psychischen Belastungen. Oft ist auch fachärztliche oder –therapeutische Behandlung nötig, gelegentlich sogar stationäre Behandlung in einer Fachklinik.

Wichtig, so Ingrid Behrendt-Fuchs, sei in der Telefonseelsorge immer das Wahren der Anonymität. Niemand werde nach dem Namen gefragt. Und auch die zumeist ehrenamtlichen und gut geschulten Beraterinnen und Berater gäben bewusst ihre Namen im Beratungsgespräch nicht preis.