Moderator Dr. Wolfgang Schürger, Prof. Dr. Uwe Sielert, Prof. Dr. Peter Dabrock, Ulf Schlüter, Silke Hansel

Um Lebensformen, deren Tragfähigkeit und den Grad ihrer Institutionalisierung ging es in einem Forum beim Zentrum Regenbogen. Deutlich wurde, dass die Landeskirchen innerhalb der EKD noch sehr unterschiedlich mit der Segnung oder gar Trauung gleichgeschlechtlicher Paare umgehen.

Auch die Evangelische Kirche von Westfalen hat hier noch keine neue Regelung getroffen. In Vorbereitung ist aber eine Änderung des Kirchengesetzes, die eine Trauung ermöglicht. „Ich bin sehr gespannt auf die abschließende Diskussion“, sagte der Theologische Vizepräsident der Landeskirche Ulf Schlüter. Zwar nehme der Prozess einen vielversprechenden Verlauf – auch die Synode des Kirchenkreises Dortmund hat sich jüngst für das neue Gesetz ausgesprochen –, dennoch gebe es nach wie vor auch Vorbehalte, sagte Schlüter. Das Meinungsbild innerhalb der Landeskirche sei nicht homogen, auch wenn es zu eindeutigen Synodenbeschlüssen komme.

Er sei froh, dass er nicht Kirchenleitender sei und solche Entscheidungen herbeiführen müsse, sagte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock. Der Professor für Systematische Theologie forderte in Bezug auf die Institutionalisierung aller denkbaren Lebensformen die Abkehr von „Ewigkeitsklauseln“. Auch das Institut Ehe habe durchaus Schaden und Traumata bewirkt. Für Dabrock denkbar sind auch andere Formen des Miteinanders, etwa polyamouröse Beziehungen, wie sie zuvor der Kieler Sexualpädagoge Uwe Sielert ins Spiel gebracht hatte.

Wenn sich andere Lebensformen entwickelten, hätten diejenigen, die sie praktizierten, gegenüber der Gesellschaft die Beweislast, dass die Formen funktionierten. Dann allerdings, so Dabrock, sei es auch an den Kirchen zu reagieren und für die neuen Lebensformen Rituale und Formen der Anerkennung zu entwickeln. Eine Aussage, die im Publikum zu emotionalen Reaktionen führte. „Des ist doch Quatsch, was der erzählt“, so der Zwischenruf eines schwäbischen Pfarrers. Er plädierte auf Nachfrage des Moderators, des Münchner Pfarrers Wolfgang Schürger, für eine Mäßigung der Neuorientierung. Alle neuen Formen müssten den Gemeinden vermittelbar sein, jetzt sei erst einmal die ‚Ehe für alle‘ im Blick.

Die Dortmunder Theologin und Ehe- und Lebensberaterin Silke Hansel verwies auf die Kraft, die Beziehungsarbeit koste. Oft, so ihre Erfahrung, überforderten sich Menschen mit ihren Ansprüchen an sich selbst und ihre Lebensformen.

Vor allem aber, so Ulf Schlüter, gelte es, die Offenheit des Menschen nicht normativ zu verdrängen. „Der Blick auf die Realität hat uns schon immer weitergebracht“, sagte der Theologische Vizepräsident. Segenshandlungen bezögen sich im Übrigen grundsätzlich immer auf den einzelnen Menschen. „Das ist eine Grundvoraussetzung.“ Was sich daraus in 30 Jahren für Formen entwickelten, könne man heute nicht sagen. Als Problem mochte das Mitglied der westfälischen Kirchenleitung diese Entwicklungen von Segensformen aber nicht sehen: „Da bin ich ganz entspannt.“