Ein bewegender Auftakt des Kirchentages noch vor seinem offiziellen Beginn: „Ein Gedenken, das Tradition beim Kirchentag hat“, so Kirchentagspräsident Hans Leyendecker.

Direkt vor der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, einem Gestapo-Gefängnis während der Nazizeit waren mehrere hundert Menschen zusammengekommen. Eingeladen hatten der Dortmunder Arbeitskreis Christinnen und Christen gegen Rechtsextremismus gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, dem Amt für Jugendarbeit und der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus.
„Hören auf das Vergangene, Handeln und Vertrauen heute“ war das Motto. Die Veranstalter boten einen Blick durch die Zeit anhand szenischer Lesungen und bewegter Bilder.
Berichte von jüdischen Mitbürgern, die in der Pogromnacht in die Steinwache gebracht und anschließend ins KZ Sachsenhausen deportiert wurden, wechselten ab mit Aussagen von SA-Angehörigen und Gestapobeamten sowie Auszügen aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Dortmund gegen Otto Cassebaum, einen ehemaligen Gestopamitarbeiter . Bei der Lesung von Ausschnitten aus den „NSU-Monologen“ machten Zitate von Elif Kubasik, der Witwe des von der NSU ermordeten Mehmet Kubasik aus Dortmund deutlich, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist, sondern jederzeit wieder auferstehen kann.


Knapp 80 Jahre nach der Pogromnacht, so Rabbiner Baruch Babaev, würden „die Stimmen des Hasses wieder lauter.“ Doch Hoffnung gebe, dass auch das Engagement gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zunehme. Hans Leyendecker zitierte das Grundgesetz und beklagte, dass die „Würde des Menschen wieder antastbar geworden ist“. Es brauche den Zusammenhalt aller Anständigen, „um den Hassern und Hetzern keinen Raum zu geben.“