Rund 300 Radfahrerinnen und Radfahrer waren am Samstagnachmittag Teil einer Kirchentags-Premiere: Sie radelten mit beim ersten Fahrrad-Gottesdienst, der bei sommerlichen Temperaturen auf der Wiese am Stadtgarten begann und endete und dazwischen auf etwa acht Kilometern einmal um die City herumführte.

„Wir wollen Gott loben, wir wollen seine Schöpfung loben, aber es gibt auch Grund zur Klage“, leitete Pfarrer Martin Treichel vom Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen den besonderen Gottesdienst ein, den er gemeinsam mit Pfarrer Johannes Ruschke aus der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Asseln hielt. „Wir wollen den Zustand der Schöpfung beklagen und die Gefahren, denen Radfahrer in dieser Stadt, aber auch in vielen anderen Städten ausgesetzt sind.“

Bevor die Fahrradtour begann, wurden die „Spielregeln“ erklärt. Fahren mehr als 15 Fahrradfahrer gemeinsam, bilden sie einen Verband. Laut §27 der Straßenverkehrsordnung dürfen sie dann auf der Straße in einer breiten Spur nebeneinander fahren: Die Radwegebenutzungspflicht ist aufgehoben und auch rote Ampeln dürfen überfahren werden, denn der Verband soll möglichst kompakt zusammenbleiben und nicht getrennt werden. Insbesondere bei Dortmundern war diese neue Art des Radfahrens in der vertrauten Stadt ein besonderes Erlebnis: „Ich wollte immer schon mal auf dem Wall über rote Ampeln fahren“, diese und ähnliche Äußerungen waren während der Fahrt mehrfach zu vernehmen.

Der Weg führte über den Wall und am U vorbei durch die Nordstadt und zur ersten Station am Nordmarkt. Unterwegs passierte die Gruppe auch das Ghostbike an der Ecke Schützenstraße/Mallinckrodtstraße, das an einen an dieser Stelle tödlich verunglückten Radfahrer erinnert. Nach Gebet und Lied ging es schweigend auf den zweiten Abschnitt bis zum Parkplatz des Leopold-Hoesch-Berufskollegs. Über den Ostwall radelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend zurück zum Stadtgarten, wo die Radler – wie zuvor auch an allen anderen Stationen – vom Posaunenchor mit Musik empfangen wurden.

„Das ist ja wie bei einem Hase-und-Igel-Spiel“, sagte Martin Treichel in Anspielung darauf, dass die Bläser immer vor den Radfahrenden angekommen zu sein schienen. Die Auflösung: Es waren zwei Posaunenchöre, der Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Dortmund-Brackel und der Posaunenchor Grundschöttel/Oberwengern, die den Gottesdienst musikalisch begleiteten und die verschiedenen Stationen unter sich aufgeteilt hatten. Bei der Gestaltung des Gottesdienstes wirkten außerdem Stipendiatinnen des Evangelischen Studienwerks mit. Tong Rosiepen, ehemaliger Pfarrer in der Kirchengemeinde Brackel hatte im Vorfeld die Route erarbeitet und alle notwendigen Absprachen mit der Polizei getroffen, die in Fahrzeugen, auf Motorrädern und Fahrrädern den rollenden Gottesdienst begleitete. VeloKitchen unterstützte die Veranstaltung mit einer mobilen Mikrofonanlage.