Zehn Morde hat der Nationalsozialistischen Untergrund, kurz NSU, begangen. Eines der Opfer ist der Dortmunder Mehmet Kubasik. Lange ermittelten die Behörden in die falsche Richtung. Neun Tote und elf Jahre brauchte es, bis die Polizei die Serie der Morde als rechtsradikal motiviert begriff.
Die im Dortmunder Schauspiel gezeigten „NSU-Monologe“ berichten um den Kampf der Angehörigen um die Wahrheit.

Das Stück, recherchiert und aufgeführt von der „Bühne für Menschenrechte“, stellt die Perspektive der Opfer in den Mittelpunkt. Die Darstellenden repräsentieren die Ehefrau von Enver Simsek, den Vater von Halit Yozgat und die Ehefrau vom Mehmet Kubasik. Im Vorfeld der Aufführung hatte die „Bühne für Menschenrechte“ Interviews mit den Angehörigen geführt. Die Schauspielerinnen und der Schauspieler haben diesen Aussagen in ihrem Stück nichts hinzugefügt, nichts erfunden – „wortgetreues Theater“, so das Stichwort. Sie erzählen die Geschichte der Opfer und deren Angehörigen. Spüren der Frage nach, was deren Liebe zusammenhielt, schildern die Emigration nach Deutschland und den Aufbau einer neuen Existenz. „Wir haben an Deutschland geglaubt“, so Yozgat. „Das Gefühl stellte sich ein, wir sind hier in Sicherheit“, ergänzt Kubasik.
Dieses Gefühl war trügerisch. Am 4. April 2006 wurde Mehmet Kubasik in seinem Kiosk im Dortmunder Norden ermordet. „Es war wie ein Untergang.“ Schlimmer: Die Ermittlungsbehörden unterstellten Kontakte zur Mafia, beschuldigten Simseks Frau, ihren Mann umgebracht zu haben. Auch bei Yozgat: „In unserer Familie haben sie den Mörder gesucht.“ Telefonate wurden abgehört, die Angehörigen bei Verwandtenbesuchen und selbst bei der Beerdigung überwacht. „Ich bin depressiv geworden,“ sagt Simsek.

Gerade weil die Aufführung kein Schauspiel, sondern dokumentarisches Theater ist, macht es, manchmal nur schwer auszuhalten, beeindruckend deutlich, wie Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und kaum verhohlener Rassismus die Ermittlungen von Anfang an in eine komplett falsche Richtung geführt haben. Und das, obschon es sofort Hinweise auf einen neonazistischen Hintergrund der Hinrichtungen gab. „Ich wusste, wer die Mörder meines Sohnes sind“, so Yozgat. Simsek ergänzt: „Drei Mal habe ich ihnen gesagt, dass es Nazis waren.“ Und, so Simsek weiter, „es sind nicht nur diese drei Täter, wer steht hinter ihnen? Wir fragen uns, ob es einen Staat im Staat gibt.“
Die Aufführung der „NSU-Monologe“ war Teil eines eigenen Programms während des Kirchentages zum Thema Rechtsextremismus. Angeboten haben es die Christen gegen Rechtsextremismus Dortmund, die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus und die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus.